Spaß am Rock in zynischen Zeiten

Die Independent Dogs stellen am Freitag ihre CD “Doggystition” vor.

Do, 08. Dezember 2016
Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.
Von: Robert Ullmann

OFFENBURG. “Don’t Forget About Jazz” heißt die Nummer – doch an Jazz denkt man beim Hören von dem, was man unter diesem Titel auf die Ohren kriegt, garantiert zuletzt. Die neue CD der Offenburger Band Independent Dogs beginnt mit nämlich einem richtig knackigen Gitarrenriff plus sattem Bass-Schlagzeug-Druck. Und dann rollt die Nummer, rotzig und selbstbewusst. Wer dabei an das Beste von Aerosmith denkt, liegt nicht verkehrt. So beginnt “Doggystition”, das neue Werk der Independent Dogs. Es ist ihre zweite CD, und sie klingt schon sehr anders als der Erstling.

Damals hatte Sänger Garry Shaw fertige Songs angeliefert, die von der Band – Raphael Jung (Bass), Manuel Bernhard (Gitarren), David Ruf (Drums) – arrangiert wurden. Bei der neuen CD, die diesen Freitagabend offiziell vorgestellt wird, stammen alle Nummern von Jung und Bernhard und wurden zusammen mit David Ruf arrangiert. Garry Shaw, der aus Schottland stammt, hat anschließend die Lyrics zu den Songs geschrieben. Aufgenommen wurde im Offenburger Spitalkeller. Die neuen Stücke haben deshalb die Spielfreude eines Live-Konzerts und sind dennoch im Arrangement ausgefuchst.

Etwa “Save”. Es beginnt mit weichen Bass-Flageoletts, die Ruf mit superleisem Beckenzischen stimmungsvoll hinterfüttert. Dieses Intro kippt in einen unruhigen Rhythmus mit irrlichternder Gitarre. Es wirkt balladesk-mystisch und zugleich bedrohlich. Überhaupt die Gitarrenarbeit: Es gibt Riffs, die klingen sehr funky, es gibt Heavyrock-Gitarrensoli, jazzige Akkorde bei “Don’t Give a Damn”. Zu den spannendsten und stärksten Stücken gehört “These Days” mit seinen chromatischen Verschiebungen, Psychedelic à la San Francisco 1968, aber mit dem Sound von heute. Sieben Stücke sind es, mit 36 Minuten Spielzeit, und obwohl die Band unterschiedliche Stilelemente benutzt, klingt die CD als Ganzes sehr geschlossen.

Mit der neuen Arbeitsweise – erst die Musik, dann die Lyrics – habe er keinerlei Probleme gehabt, “im Gegenteil”, erklärt Garry Shaw. “Es war die Art, wie wir damals schon bei den Lemon Souls gearbeitet haben.” Die Lemon Souls agierten im Stil der New-Wave-Gitarrenbands und gehörten um 1990 zu den wirklich guten Rockgruppen Offenburgs. Auf “Doggystition” sind Garry Shaws Texte manchmal von persönlichen Erinnerungen bestimmt. So auch bei “Don’t Forget About Jazz”, in dem er erzählt, wie sein Bruder Neil – mancher Offenburger wird ihn noch kennen – seinen Musikgeschmack beeinflusste. Der ein oder andere Song ist optimistisch, andere dagegen sind textlich böse bis zynisch, so “Don’t Give a Damn”, das der Frontmann der Independent Dogs frei nach dem Motto betextet hat: “Wenn diese Erde verreckt ist, such’ ich mir halt was anderes.”

Garry Shaws Gesang ist da am stärksten, wo es auf der CD hart und rockig zugeht. Hier geht er stark nach vorn. An anderen Stellen klingt seine Stimme auf der CD ein wenig zu sonor und unterkühlt. Doch die Reibung mit dem nach vorn drängenden Sound der Band mag beabsichtigt sein.

Am Freitag, 9. Dezember, um 21 Uhr, im KiK, Weingartenstraße 34 c, feiern die Independent Dogs ihre CD “Doggystition” mit einem Release-Konzert. Gäste sind die Karlsruher Folk’n’Rock-Band “Sea Time”.