Support für Andreas Kümmert

Mo, 6. Oktober 2014, Mittelbadische Presse

Mainstream ist nicht sein Ding

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© Ulrich Marx

Persönlichkeit mit außergewöhnlicher Stimmkraft: Andreas Kümmert beim Konzert in Offenburg.

Was für ein Abend! Unglaublich gut, das Konzert von Andreas Kümmert. Die etwa 300 Zuhörer in der Offenburger Reithalle klatschten am Samstagabend frenetisch, pfiffen und riefen immer wieder »Zugabe«.

War das nun die Stimme Deutschlands? Die Entdeckung des Jahrzehnts ganz sicher, die die Casting- Show »The Voice of Germany« im Jahr 2013 ins Rampenlicht hievte. Und gerade dieser Start scheint dem jungen Mann aus der Nähe von Würzburg ein ungewolltes Image zu bescheren. Andreas Kümmert ist kein Star, will er auch nicht sein, wie er oft bekundet. Er versteht sich Musiker, Sänger und Songwriter. Eine Persönlichkeit, die man im Getriebe der unzähligen Casting- und Talentwettbewerbe so nicht erwartet.

Das Publikum spürt sofort, wie authentisch er geblieben ist. Der Mann, dem jedes medienwirksame Styling zu widerstreben scheint, ist ein Ausnahmetalent. Seine Musik ist eine Mischung aus Blues, Rock und Folk. Stimmlich kann man ihn erst recht nicht einordnen. Er kann ganz hoch singen, leise, laut und fast schreiend, kraftvoll und sensibel zugleich. Die Übergänge sind ungewohnt, fast gebrochen. Aber er hat sie ganz einfach, die Soul- und Blues-Stimme. Und ein Händchen dafür, was handgemachtes Pub-Flair ausmacht.

Lockere Atmosphäre

Gut, dass die Veranstalter des Konzertes an diesem Abend mitzogen. In der Reithalle hatte man Bistrotische arrangiert, die Leute konnten Getränke mit hineinnehmen. Selbst Geräusche von umfallenden Bierflaschen störten nicht, es herrschte Stimmung pur in der »Location«. »Here I am« – schon Kümmerts erstes Stück, das im Übrigen aus der Casting-Show stammte, sorgte für Gänsehaut. Nur mit der Akustikgitarre machte er später seine eigenen Songs und die von den ganz Großen zur Marke Kümmert.
Es war schon beeindruckend, wie er am Samstagabend ein »Halleluja« nach seiner Version performte oder den großen Titel »Of the other side of jordan«. Ein wenig Gospel, viel Blues, manchmal Rock – der »Rocky man« brannte ein Feuerwerk an Gefühlen ab. Die Songs aus Kümmerts Album »The Mad Hatters Neighbour« bewiesen Vielfalt und enorme Ausdruckskraft.
Höhepunkt war das Jammen mit der Vorband The Independent Dogs aus Offenburg. Sie brachte weit mehr als Aufwärmen, sie improvisierte, ließ ihren Instrumenten den Lauf und der Stimme von Andreas Kümmert den Raum. Für die Kollegen im besten Sinne gab es vom großen Barden lobenden Beifall.
Andreas Kümmert kannte Offenburg schon vor dem Auftritt am Samstag. Die rührige Heidi Ast, die für das Musikprogramm eines Bistros zuständig ist, hatte ihn schon 2011 hierher geholt. Damals war er noch durch Kneipen und kleine Säle getingelt. Heute ist er ein Star, aber eben nicht Mainstream. Man möchte ihm wünschen, dass er das im Haifischbecken der kommerziell orientierten Szene durchhält.
Übrigens: The Independent Dogs stellen am 17. Oktober ihre erste CD in einer Release-Party im KiK (Kultur in der Kaserne) in Offenburg vor.