Mo, 20. Oktober 2014, Badische Zeitung

Mo, 20. Oktober 2014, Badische Zeitung. Von: Robert Ullmann

Melodik mit Hymnenqualität

Independent Dogs auf der Offenburger KiK-Bühne: Entspannte Lockerheit und leise Ironie.

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Garry Shaw, Sänger und Frontmann der Independent Dogs aus Offenburg. Foto: Christoph Breithaupt

OFFENBURG. Es war ein zweifaches CD-Release-Konzert, mit dem die Independent Dogs ihr erstes Studioprodukt feierten. Am Freitag im stramm gefüllten KiK gab es die offizielle Party. Doch schon zwei Wochen vorher in der Reithalle gingen Manuel Bernhard, Gitarre, Raphael Jung, Bass, David Ruf, Drums, und Garry Shaw, Vocals, mit dem frisch ausgepackten Tonträger auf die Bühne, als Anheizer für den “Voice of Germany”-Star Andreas Kümmert.

Es war ein tolles Gefühl”, gestand der schottische Offenburger Garry Shaw, und scherzte: “Da war so viel Platz überall.” Am Freitag im KiK war dann wieder die gewohnte Enge dran. Auch wenn das Reithallenkonzert der “Dogs” eine feine Sache war: Man hatte im KiK den Eindruck, die Band schätzt auch die Clubatmosphäre mit ihrer großen Nähe zum Publikum.

Im KiK spielten sie sämtlich Tracks ihrer CD und noch ein paar Nummern mehr, darunter “Sweet Jane” von Lou Reed, der eine Art Erkennungsmelodie von Reed-Fan Garry ist.

Das Zusammenspiel der Band auf der Bühne ist dicht und hat Spontaneität – und nicht nur dort. Es gilt auch für die CD mit dem etwas merkwürdigen Titel “Dogteils”. Sie bietet neun Songs und 46 Minuten Musik, und sie beginnt grandios mit einem Bass-Intro von Raphael Jung, eine mäandrierende melodiöse Linie, in die Jung Flageoletts tropfen lässt. Dann raunt Garry die ersten Textzeilen – und mit stramm-satten Gitarren-Drum-Drive geht es massiv in Richtung Indie-Rock, Trotzdem ist diese Nummer mit dem Titel “Sanctuary” das am wenigsten attraktive Stück dieser durchweg gelungenen Song-Sammlung.
Das liegt mit am Refrain, der für seine schlichte Melodik gar zu hymnisch gerät. Man hat den Eindruck, der Song pendelt zwischen dem Lob darauf, dass es Schutzräume gibt, und der Klage darüber, dass man sie braucht. Irgendwie kann er sich nicht entscheiden zwischen Lou-Reed-Lakonik und U-2-Pathos, und landet schließlich bei den Simple Minds.

Doch es wird besser – und das von Song zu Song. “Ain’t” mit seinem bellenden Gesang und Slap-Bass, oder “Battlefield Earth”, eine schnörkelloser und druckvoller lakonischer schlanker Song mit Punk-Attitüde und greller Gitarrenfigur – das krallt. Ganz anders das flockende “Miss Sunshine”, ein “Radio-Song”, der sofort ins Ohr geht: Verspielt, fast schon poppig, federnder Rhythmus. Die leicht dissonante Gesangslinie gibt dem Song schnoddrigen Charme. Und es kommt immer besser: “In the Corner”, Track Numero sieben, ist schräger Swing mit schräger Gitarre, plus Walking Bass und Rumpeldrums. Garry nöhlt und röhrt und kräht wie ein Crooner der 1920er Jahre auf einer verschabten 78-rpm-Schellack-Platte. Es macht einfach nur Laune!

Das beste dann zum Schluss: “Making Fire” klingt schwer Retro, ein lasziver Song mit Reminszenzen an Velvet Underground und die Doors, und schließlich das lakonisch-lässige “Taxi Ride”: Das Leben ist wie eine Taxifahrt. Du kannst zwar sagen, wo du hin willst, und vielleicht kommst du auch an – aber auf jeden Fall musst du die Fahrt bezahlen. Und das mit fettem Basslauf und animierendem Groove.

Garry ist kein wirklicher Sänger mit “Stimme”. Auf “Dogteils” findet er von Song zu Song immer besser den Weg zu entspannter Lockerheit und leiser Ironie.