Fr, 14. März 2013, Badische Zeitung

Fr, 14. März 2013, Badische Zeitung

Der alte Leitwolf und die jungen Streuner

Garry Shaw hat eine neue Band, die Independent Dogs, mit Musikern, die bis zu 25 Jahre jünger sind als der Sänger-Songschreiber.

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Die Independent Dogs von links: Manuel Bernhard, Garry Shaw, David Ruf, Raphael Jung Foto: R. Ullmann

OFFENBURG. Seit über 20 Jahren ist der Schotte Garry Shaw teil der Ortenauer Musikszene, und er steht für eine Sorte Rockmusik, die nicht unbedingt typisch ist für Städte von der Größe Offenburgs.

Garry Shaw ist geprägt vom britischen Gitarrenrock, der sich im sozial unterkühlten Klima der Thatcher-Ära in den Pubs der Insel entwickelte. Mit der Band Pebble Stones kultivierte Shaw diese Mixtur aus Brit-Rock, Folk und Roots-Americana. Doch vor einem Jahr lösten sich die Pebble Stones auf. Jetzt war Garry Shaw erstmals seit den Pebble Stones wieder als Sänger einer Band zu hören, in der Offenburger Musikkneipe “Joe’s Garage”. Die Band heißt Independent Dogs. Sie klingt sehr explosiv, frisch und zupackend.

Dieses Locker-Frische liegt an Manuel Bernhard (Gitarre), David Ruf (Drums) und Raphael Jung (Bass). Die drei sind alle 20 bis 25 Jahre jünger als Garry Shaw. “Wir lassen es rocken, der Rest ist egal”, meint Raffael Jung dazu. Der Bassmann ist als Teil der Mannheimer Jonas Birthelmer Band Preisträger des John-Lennon-Awards.

Mit Shaws “Sanctuary” kommt die erste Nummer in Band-Besetzung an diesem Abend. Das Stück gehört schon länger zum Songfundus des Schotten. In der Version der Independent Dogs klingt es irre dynamisch. Raffael Jung spielt eine Bassfigur, die melodiös ist, dabei groovt und treibt. Das Zusammenspiel mit Drummer Manuel Bernhard ist große Klasse. Wo bei Ruf herumschweift, ist Bernhard extrem straight, der Drumsound trocken wie knackende Äste. Gitarrist David Ruf schießt kleine Rhythmusspitzen ab. Seine Soli sind den ganzen Abend über hörenswert. Er nimmt sich selten mehr als vier oder acht Takte Zeit. Alles ist verdichtet, mal im typisch sirrenden Britrock-Gitarrensound, mal elegant und melodiös. Der Lou-Reed-Klassiker “Sweet Jane” bekommt einen Funkgroove und ist im Mittelteil elegisch. Dem folgt ein Ausflug in eine sehr düstere Soundlandschaft, Bass und Schlagzeug in einer monotonen Schlaufe, die E-Gitarre zirpt, Shaw raunt davon “down in alcohol town” zu gehen und dort seine miese Stimmung rauszulassen. Text und Musik mäandrieren, drehen sich im Kreis. Das Stück erinnert schwer an “The End” von den Doors. Bass und E-Gitarre beginnen zu grollen, das Grollen wächst, und mit einem Mal schießt ein ruppiges Riff aus dem Gebrodel, und Garry Shaw bellt ins Mikro wie zu seinen besten Zeiten. Wenn diese Band hält, werden wir noch viele gute Konzerte von ihr hören.